Seife - Reinigungsmittel mit Tradition

Reinigungsmittel mit Tradition: die Seife

Seife. Einerseits weiß jeder, was gemeint ist. Andererseits gibt es so viele Feinheiten, die den Unterschied ausmachen. Wo genau liegt der Unterschied zwischen Gallseife, Kernseife oder Schmierseife und was kann man damit anstellen? Oder ist das alles nur altbacken und etwas für die Großmutter?
Wir wollen dem Thema “Seife” heute mal etwas mehr auf den Grund gehen und werden auch berichten, wofür man in Zeiten voller Spezialreiniger immer noch auf einfache Seifen zurückgreifen kann.

 

Seife? Was ist das überhaupt?

 

Achtung – jetzt kommt ein bisschen Chemie! Seife wird nämlich durch die chemische Zersetzung von tierischen oder pflanzlichen Fetten und Ölen gewonnen. Diese Fette werden zum Beispiel mit einer Natronlauge oder Kalilauge gekocht. Durch diesen Vorgang zerlegen sich die Fette in Glycerin und Alkalisalze. Diese chemische Reaktion nennt man auch Verseifung. Es entsteht ein Seifenleim welcher mit Natriumchlorid versetzt wird. Dadurch trennen sich Unterlauge und Seifenkern voneinander ab. Um die restlichen Verunreinigungen zu lösen, wird der Seifenkern erneut mit Wasser und Lauge aufgekocht. Im Ergebnis erhält man Kernseife.

 

Ein kurzer Blick auf die Geschichte

 

Auch wenn es bereits erste “Seifen-Spuren” bei den Sumerern gab, so wurde das Gemisch aus Pflanzen-Asche und Ölen zu der Zeit wohl eher als Heilmittel bei Verletzungen genutzt.
Erst die Römer erkannten die reinigende Wirkung der Seife bzw des seifenähnlichen Gemischs. Im 7. Jahrhundert verkochte man im Mittleren Osten erstmals Öl und Lauge – das Ergebnis war eine Seife, wie wir sie noch heute kennen. Die Araber brachten dieses Wissen nach Europa, wo Frankreich und Spanien später mal zu den weltweiten Hochburgen der Seifenherstellung zählen. Im Mittelalter waren Badehäuser zunächst sehr beliebt, aber in Zeiten von Pest und Cholera wurde das Waschen mit Wasser zunächst eingestellt. Man dachte, dass sich dadurch die Erreger verbreiten – ein fataler Irrtum. Trotzdem gab es bis ins 17. Jahrhundert Ärzte, die die Meinung vertraten, dass Wasser und Luft schlecht sind für den Körper. Kleidung und Körperpuder sollten den Körper schützen.
Der französische König Ludwig XIV war es, der die besten Seifensieder nach Versailles holte, ein Reinheitsgebot für Seife erließ und dieser zu neuem Ruhm verhalf.
Seit 1865 ist Seife dank Ernest Solvay ein bezahlbares Produkt. Er entwickelte ein kostengünstiges Verfahren um genügend Soda für die Seifenproduktion herzustellen.

 

Seife ist nicht gleich Seife

 

Es gibt ziemlich viele verschiedene Seifen, die sich in Konsistenz und auch bezüglich der Inhaltsstoffe unterscheiden. Wir werden jetzt nicht auf restlos alle bekannten Variationen eingehen, aber auf ein paar wichtige „Grundformen“.

 

Kernseife

Hierbei handelt es sich um feste Seifen, die meist aus den Natriumsalzen von Fettsäuren bestehen. In der Produktion erlangt man durch “Aussalzen” des Seifenleims diese reine Form der Seife. Reine Kernseife hält lange, ist ergiebig und kommt ohne zusätzliche Inhaltsstoffe aus. Aus diesem Grund ist sie auch besonders für Menschen mit empfindlicher Haut geeignet.

Kernseife ist aber nicht nur für die Körperpflege geeignet – man kann mit ihr unter anderem auch Textilien waschen, Schädlinge bekämpfen und auch Oberflächen reinigen! Da Kernseife alkalisch (basisch) ist, hat sie nämlich eine größere Reinigungswirkung als andere Mittel.

 

Gallseife

Wenn Kernseife mit Rindergalle vermischt wird, erhält man Gallseife mit Gallensäuren, die wie ein Emulgator wirken. Mit Gallseife (fest oder flüssig) entfernt man seit jeher sehr gut Fett-, Blut-, Stärke-, Obst- und Eiweiß-Flecken aus Textilien. Man muss die verschmutzte Stelle anfeuchten und gründlich mit einem Stück Gallseife einreiben. Danach entweder auswaschen oder – noch besser – wie gewohnt in der Waschmaschine waschen.

 

Schmierseife

Sie werden aus preiswerten Fetten und Ölen durch Verseifung mit Kalilauge hergestellt und haben eine flüssige bis halbfeste Konsistenz. Daher auch der Begriff Schmierseife oder manchmal auch “Grüne Seife”.
Aufgrund dieser Konsistenz lassen sie sich sehr gut mit Wasser vermischen und zu Reinigungszwecken im Haushalt verwenden.  Zumindest war das früher ein beliebtes Mittel – heute reinigen nur noch wenige auf diese traditionelle Art ihre Böden. Aber es ist machmar!

 

Anwendungsbeispiel:

Um die doch recht zähe Schmierseife aufzulösen, verwenden Sie am besten warmes Wasser. Es gibt aber auch bereits flüssige Schmierseife – diese vermischt sich ganz einfach.
Trotzdem beim Anrühren des Wischwassers zunächst etwas Soda in das warme Wasser rühren und ein paar Minuten warten. Dadurch löst sich der Kalk aus dem Wasser, es wird weicher. Anschließend die Schmierseife hinzugeben. Sie können nun Ihre Steinböden nicht nur reinigen, sondern auch richtig zum Glänzen bringen! (Laminat und Linoleum sind dafür nicht geeignet!)

Das klingt etwas aufwändiger, ist aber machbar und vielleicht ein Versuch wert, wenn Sie Alternativen zu herkömmlichen Reinigungsmitteln ausprobieren möchten.

Aber Achtung: bei zu häufiger Reinigung des Steinbodens mit Kernseife kann es zu einer Überfettung kommen. Dieser “Film” sieht dann besonders schmutzig aus und kann nur noch mit einem Wachslöser entfernt werden.

 

Leimseife

Hauptsächlich findet man Leimseifen unter den handgemachten Seifen. Nach der Verseifung wird das Glycerin nicht abgetrennt und bleibt im Produkt enthalten.

 

Feinseife

Hierbei handelt es sich um die meisten Seifen, die wir zum Händewaschen in der Drogerie kaufen können. Die Basis Kernseife wird mit Zusätzen vermischt, wie zum Beispiel Parfüm, Farbstoff oder Wollwachs (Lanolin). Früher war hierfür auch die Bezeichnung Toilettenseife gebräuchlich.

 

Wie wichtig übrigens das Händewaschen für Hygiene und Gesundheit ist, können Sie in diesem Beitrag lesen: Zeigt her eure Hände

 

Glycerinseife

Oft auch bezeichnet als Transparentseife, hat diese Seife einen hohen Glycerinbestandteil. Die glasige Seife ist einfach zu schmelzen und wird daher auch gerne als Bastelseife verwendet.

 

Moderne Flüssigseifen, wie man sie aus den praktischen Spender-Flaschen zum Händewaschen kennt, haben übrigens nicht mehr viel mit den ursprünglichen Seifen zu tun. Auch wenn die Idee auf den Schmierseifen beruht, so haben die heutigen Flüssigseifen ganz andere Inhaltsstoffe (syntetische Tenside erfüllen den reinigenden Zweck) und auch Eigenschaften. Sie bilden im Leitungswasser keine Kalkseifen und somit unschöne Kalkränder in Badewannen oder Grauschleier auf Textilien. Genau diese Nachteile sind nämlich der Grund dafür, dass reine Seifen in Reinigungsmitteln (sowie Waschmitteln) gar nicht mehr oder nur noch zu einem sehr geringen Teil enthalten sind.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Impressum | Datenschutz